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Studiengänge

Die Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität bietet in Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie (HTA) zwei Dramaturgiestudiengänge an:

M.A. Dramaturgie

Der 2002 gegründete M.A. Dramaturgie bietet ein universitäres Vollstudium in Frankfurt an, das Theorie und Praxis verbindet.

M.A. Dramaturgie
Studieninhalte
Netzwerk/HTA
Bewerbungsverfahren

M.A. CDPR

Der 2017 gegründete internationale Partnerstudiengang Comparative Dramaturgy and Performance Research bietet ein Studium in Frankfurt sowie an einer der augenblicklich vier internationalen Partner-Hochschulen an und führt zu einem Doppel-Abschluss*.

M.A. CDPR
Studieninhalte
Netzwerk
Bewerbungsverfahren

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Logo Hessische Theaterakademie
Logo Oslo National Academy of the Arts, Academy of Theatre
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Logo Université Paris Nanterre
Logo Theatre Academy University of the Arts Helsinki

* Für den Auslandsaufenthalt in Helsinki oder Oslo kann zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Doppelabschluss ausgestellt werden.

Dramaturgie als politische Praxis

„Dramaturgie“ begreifen wir als eine politische Praxis. Sie kann den kreativen Prozess – die Kunst im Entstehen – dort wieder öffnen, wo dieser sich den Ansprüchen der von ihm konstitutiv ausgeschlossenen Anderen zu verweigern droht. Sie erinnert daran, dass der Konflikt für jedes Theater zentral ist, und widersetzt sich seiner ‚erpressten Versöhnung‘ (Adorno). Sie kann im Theater immer wieder von neuem die Frage zur Verhandlung stellen, wer auf einer Bühne stehen darf und wer nicht. Der Fluchtpunkt jeder politischen Dramaturgie ist jenes unmögliche Theater, das die Gegenwart als Reich des Möglichen negiert: Im Interesse eines anderen Theaters oder vielleicht auch von etwas ganz anderem als dem, was wir heute noch Theater nennen.

Aktuelle Veranstaltungen

Welches Theater für welche Stadt?
Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll (Theaterwissenschaft) & Prof. Dr. Carsten Ruhl (Architekturgeschichte)
16. Dezember, 18 Uhr Die Veranstaltung wird online als Zoom-Webinar stattfinden. Infos zur Anmeldung werden in Kürze hier veröffentlicht.

Frankfurts Theater steht im Augenblick vor einer Weichenstellung, die es bis weit in das 21. Jahrhundert maßgeblich mitprägen wird: Wie sollen die Gebäude aussehen, in denen zukünftig das städtisch subventionierte Theater stattfinden wird? Wo sollen Oper, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, wo die experimentellen darstellenden Künste zukünftig geprobt, aufgeführt, gesehen und verhandelt werden? Vier der fünf zukünftigen städtischen Theaterbauten sind derzeit – auf verschiedenen Stufen – in Planung. Vor diesem Hintergrund wollen Architekturgeschichte und Theaterwissenschaft der Goethe-Universität in zwei Veranstaltungen die durch diese Situation aufgeworfenen Fragen am 18. November (abgesagt, wird verschoben) sowie am 16. Dezember, jeweils um 18 Uhr, öffentlich diskutieren. Dabei sollen Vorträge von Wissenschaftlern, Gesprächsbeiträge von Künstlern sowie kurze Video-Statements von Politikern dazu beitragen, die dringend gebotene Diskussion über das Frankfurter Theater der Zukunft auf eine breitere Grundlage zu stellen.
Der Hintergrund
Seit im Jahr 2017 ein Gutachten eröffnete, dass die Stadt Frankfurt für die Sanierung oder Erneuerung der „Doppelanlage“ für Oper und Schauspiel am Willy Brandt-Platz in jedem Fall eine knappe Milliarde wird investieren müssen, beschäftigt das Thema Neubau oder Sanierung Theaterleute und –wissenschaftler, Architekten und Architekturtheoretiker, Denkmalschützer, Stadtplaner und darüber hinaus die Stadtöffentlichkeit. Nachdem die Entscheidung über Neubau oder Sanierung gefallen scheint, bleiben weitere Fragen: Zunächst einmal die, was die Stadt in Zukunft für ein Theater will – für wen, in welcher Form, mit welchen Akteuren, in welcher Art von Architektur? Und weiter: Darf die Stadt ein Gebäude, in dessen Räumen sich knapp 120 Jahre Geschichte überlagern, einfach abreißen? Wurden Belange des Denkmalschutzes, die speziell das zu Beginn der 60er-Jahre erbaute „Wolkenfoyer“ betreffen, angemessen berücksichtigt? Hat die Stadt nicht allen Grund, die Nachkriegsarchitektur der ‚zweiten Moderne‘, zu der das Haus zu zählen ist, stärker zu würdigen? Und wurde die mit Blick auf die Bauten notwendige grundlegende Diskussion über das subventionierte Staatstheater der Zukunft überhaupt schon geführt?
Die Organisatoren wollen diesen wichtigen gesellschaftlichen Fragen aus architektur- und theaterwissenschaftlicher Perspektive nachgehen.

Ringvorlesung „Theater und die Krise der Demokratie. FP-Extra 2021

Donnerstags 18:30-20:00 Uhr, 12. November 2020 – 19. Februar 2021
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, sowie Live-Stream per Zoom und Radiosendung auf
https://www.wilsonstrassefm.com/

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krise der Demokratie westlicher Prägung, auf die vielerorts die Rückkehr zu autoritären Herrschaftsformen und Strukturen antwortet, lädt die Ringvorlesung Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aus dem Umkreis des Theaters und der Performance sowie der mit ihnen beschäftigten Wissenschaften dazu ein, sich über das Verhältnis von Theater und Demokratie Gedanken zu machen. Dabei sollen einerseits die gegenwärtigen Probleme und Krisen der klassischen Vorstellungen von Demokratie reflektiert werden: Die nur global zu lösenden Probleme Migration, Erderwärmung und ökonomische Monopolisierung, die mit der Globalisierung verbundene Entwertung der alten Akteure und Institutionen, etwa der Nation und ihres Parlaments, die Erkenntnis der Mitverantwortung des Westens und seiner Wirtschaftsordnung an einer großen Zahl der gegenwärtigen Probleme. Andererseits soll aber auch gefragt werden, welcher Mensch oder welches Subjekt auf die so beschriebenen Herausforderungen wird antworten können? Muss neu über den Menschen in einer von Zweckrationalität (Weber), Verdinglichung (Lukács), einem universellen Verblendungszusammenhang (Adorno/Horkheimer) bzw. dem Gestell (Heidegger) in seiner gegenwärtigen Ausformung als Struktion (J-L Nancy) geprägten Gegenwart nachgedacht werden? Oder befinden wir uns tatsächlich eher in einem Umbruch, in dem auf die Ermüdung der alten Eliten ein neues, von den gegenwärtigen Protestbewegungen befördertes Engagement sich herausbildet, mit anderen Antworten, anderen Organisationsformen und Akteur*innen? Ist die Rede vom ‚Ende des Menschen‘ angemessen? Müssen neue menschlich-nichtmenschliche Akteur*innen an seine Stelle treten?

Beide Fragen: Die Probleme als auch die Akteur*innen und Ansätze einer möglichen zukünftigen Lösung sollen im Kontext des Theaters in allen seinen Spielarten diskutiert werden: In welcher Weise antworten neue Formen des Theaters, der Choreographie, der Gattungen und Spielarten überschreitenden Darstellungsformen auf die an vielen Orten formulierte gegenwärtige Krise der Demokratie? Wie geht sie in ihre Formen, wie in ihre Organisationsweisen, wie in ihre Inhalte ein?

Diese Fragen sollen im Rahmen der Ringvorlesung im wöchentlichen Rhythmus im Künstlerhaus Mousonturm erörtert werden. Dabei sollen in der Ringvorlesung einerseits in Kooperation mit dem Festival „Frankfurter Positionen“, dessen Festivalthema die Ringvorlesung aufgreift, die vom Festival beauftragten Künstler*innen Gelegenheit bekommen, ihre Arbeiten oder ihre Arbeitsweisen vorzustellen. Andererseits sollen Wissenschaftler*innen aus dem Bereich der sich mit Theater beschäftigenden Wissenschaften (Theater- und Tanzwissenschaft, philosophische Ästhetik, politische Theorie, Literatur- und Medienwissenschaft) das Thema mit Blick auf Theorie, gegenwärtige Praktiken und Geschichte des Theaters erkunden. Ergänzend zur Ringvorlesung wird eine Gruppe von Studierenden in Zusammenarbeit mit dem argentinischen Regisseur Gerardo Naumann die Fragestellung des Festivals und der Ringvorlesung in der performativen Veranstaltung „Das Festival“ (AT) aufgreifen.

Die Veranstaltung war bereits vor der Covid-19-Pandemie konzipiert, erhält jedoch zusätzliche Aktualität durch die damit verbundenen weitreichenden globalen und gesellschaftspolitischen Konsequenzen. Sie werden die Veranstaltung unweigerlich sowohl formal wie inhaltlich mitbestimmen, sollen allerdings in ihrem Zusammenhang nicht als isoliertes Phänomen betrachtet werden, sondern als Teil der hier in den Blick genommenen längerfristigen Entwicklungen.

Die Vorlesungen im Rahmen der Ringvorlesung werden jeweils vor einem kleinen Publikum in einer Präsenzveranstaltung am Künstlerhaus Mousonturm gehalten und zugleich für ein größeres Publikum im Live-Stream (via Zoom) übertragen.

Für beide Formen der Teilnahme bitte mit dem Betriff „HTA“ anmelden unter: dramaturgie@mousonturm.de

Darüber hinaus ist eine Teilnahme ohne Anmeldung per Digitalradio möglich: https://www.wilsonstrassefm.com/ 

Die Videoaufzeichnungen der Beiträge sind danach abrufbar auf der Seite der Digitalen Theaterforschung: https://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/theater/

Stand: 28. 10. 2020. Aktualisierung und Weiters unter: https://www.mousonturm.de/ 

Termine

12.11.20          Carsten Nicolai im Gespräch mit Rainer Römer

19.11.20          Ulrike Haß (Ruhr-Universität Bochum/Berlin): „Vom Eigensinn der Pluralität“

26.11.20          Gernot Grünewald im Gespräch mit Matthias Pees

3.12.20            Fiston Mwanza Mujila im Gespräch mit Friederike Emmerling

10.12.20          Rebecca Schneider (Brown University, Providence): “Appearing to Others as Others Appear”

17.12.20          Pat To Yan und Julia Weinreich (Schauspiel Frankfurt)

14.1.20            Nature Theater of Oklahoma im Gespräch mit Nikolaus Müller-Schöll

21.1.20            Christine Abbt (Universität Graz): „Der antike Fremd- und Vieltuer und die Demokratie“

26.1.20            Geumyhung Joeng

4.2.20              Bettine Menke (Universität Erfurt): „Die Rechts-Ausnahme des „Flüchtlings“ – die Demokratie der Hinzu-Kommenden“

11.2.20            Marc Siegel (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz): „Vinge/Müller und das ideologische Leitungswasser“

18.2.20            Juliane Vogel (Universität Konstanz): „Die Volatilität der Szene. Potentiale einer beweglichen Form“

Abstracts der Vorträge:

19. 11. Ulrike Haß: Vom Eigensinn der Pluralität

Die Beobachtung, „dass die griechische Demokratie im gleichen Moment erfunden wurde wie die Tragödie“ (Jean-Luc Godard), betont die Grundlosigkeit beider Erfindungen, denen keine Intention, kein Konzept vorausging. Die Betonung ihrer Gleichzeitigkeit führt jedoch über die Aporien antiker Gründungen hinaus. Demokratie als Politik sollte Probleme des internen Zusammenhangs in der Polis lösen (kollektive Existenz), die Tragödie ist der Herausbildung des Protagonisten gewidmet (singuläre Existenz). Die Ontologie vom Plural der Singulare, die sich in dieser Kombination andeutet, erhält ihren entscheidenden Dreh durch ein Faktum, das namentlich in der Tragödie ausbuchstabiert wird. Protagonisten, mag ihr Ruhm auch durch die Jahrhunderte leuchten, haben nicht die Kraft, als Einzelne zu erscheinen. Sie erreichen den Schauplatz ihrer Tragödie nur, indem ihnen ein Grund oder ein Ort eingeräumt wird, über den sie als Einzelne per definitionem nicht verfügen.

Diese Raumspende wird ihnen von einem Chor gewährt, der keine Erfindung des Theaters ist. Der Chor kommt aus ehemals geheiligten Landschaften und wird allererst zum anderen Körper des Theaters. Als solcher gehört er der Repräsentation, die sich auf den Protagonisten als vermeintlich ersten Körper des Theaters stützt, niemals ganz zu und erneuert sich stetig im Kontakt mit dem Außen einer unabsehbaren Pluralität. Chorische Bezugnahmen öffnen den Kollektiv-Plural der Polis und ihre begrenzte Demokratie als Frage. Diese bezieht sich, dem unverfügbaren Eigensinn von Pluralität entsprechend, auf unendliche Verhältnisse.

10. 12. Rebecca Schneider: Appearing to Others as Others Appear

In The Human Condition, Hannah Arendt writes that the polis is “the space of appearance in the widest sense of the word, namely, the space where I appear to others as others appear to me, where men exist not merely like other living or inanimate things, but make their appearance explicitly.” In a time when white liberal humanism has been exposed by scholars like Sylvia Wynter, Hortense Spillers, Frank Wilderson, and Saidiya Hartman as a “genre of human” founded on anti-blackness, what becomes of the mandate to “appear to others as others appear”?  In this talk, I will discuss some late 20th and early 21st century works in which artists appear as built environments that possibly raise questions about appearance and “public space.” I will also think about some performance-based contemporary work that performs homage, that is, art appearing as other art has appeared. In this effort, I will think about artwork against the grain of human or human-centric citationality, a practice that might also find Dionysian roots and limbs in the ancient world of course, if arguably prior to the rise of democracy. In a time of demands for racial justice and a time of planetary peril, what else might it mean for democracy to appear as others have appeared?

21.1. Christine Abbt: Der antike Fremd- und Vieltuer und die Demokratie

Befürworter und Gegner der Demokratie waren sich in der griechischen Antike überraschend einig in Bezug darauf, was demokratische Praxis auszeichne. Beide verwendeten zur diesbezüglichen Differenzierung ein Begriffspaar, mit dem demokratisches Handeln idealtypisch verbunden wurde: Allotrio- und Polypragmosyne, übersetzt Fremd- und Vieltun. Wodurch wird das Selbstverständnis der Fremd- und Vieltuer in der Antike bestimmt? Inwiefern ist ihr Verhalten als ein ,demokratisches‘ auszuweisen? Was lässt sich aus den antiken Quellen für aktuelle Debatten gewinnen?

4.2. Bettine Menke: Die Rechts-Ausnahme des „Flüchtlings“ – die Demokratie der Hinzu-Kommenden

Giorgio Agambens Äußerung, „Flüchtling“ sei „die einzige Kategorie, die uns heute Einsicht in die Formen und Grenzen einer künftigen politischen Gemeinschaft gewährt“, taugt mir zum Ausgangspunkt. Denn „Flüchtling“ ist Figur der spezifischen, durch staatliche Regularien erzeugten, Nicht-Zugehörigkeit: Als Ausnahme von der vermeintlichen Normalität unter nationalstaatlicher Vorgabe, als Ausnahme vom Recht, die polizeilichen Maßnahmen überantwortet. Das ist, vereinfacht gesagt, der Vogelfreie; von diesen, die der National-Staat mit seiner Gründung ­schon (als Nicht-Zu­ge­hörige) schaffe, spricht Arendt, deren historisch gesättigte Darstellung der mas­senweisen Erzeugung von Flücht­lin­gen nach Nationalstaatsprinzip im 20 Jh. gegenwärtig diagnostisch zutrifft. Die spezifische Ausnahme, die Flüchtlinge vom Mo­ment ihres Grenz­über­tritts an als Illegale definiert und im „Nie­mands­land“ des Irregulären festhält, muß als dringliche Frage nach dem Verhältnis von Demokratie und Repräsentation, bzw. Repräsentier­barkeit aufgefasst werden. Sie erfordert, die Unterminierung der Gewiss­hei­ten von Zu­ge­hörigkeit (zu Gemeinschaft(en)) zu denken, wie damit der Anforderung zur Delimitierung der Demokratie zu folgen: „Kein numerus clausus für die Hinzukommenden“ (Derrida).

11.2. Marc Siegel: Vinge/Müller und das ideologische Leitungswasser

Vom 12-Spartenhaus (2013) bis zum Nationaltheater Reinickendorf (2017) führten die norwegisch-deutschen Künstler*innen Vegard Vinge und Ida Müller eine gründliche Kritik an der Institution des deutschen Staatstheaters durch. Obwohl diese Institutionskritik in diesen beiden extravaganten Produktionen recht deutlich wurde, war sie auch in früheren Arbeiten wie John Gabriel Borkman (2011) und Die Wildente (2009-10) präsent, in denen Vinge/Müller bereits alles in Frage stellten, von der Werbung, der Kommunikation mit der Presse, den Kartenpreisen, der Probenzeit bis zur konventionellen Länge eines Theaterabends und vieles mehr. Kritische Rezensionen ihrer Arbeit konzentrierten sich verständlicherweise auf ihre radikale Überarbeitung von Ibsen und die spektakuläre Innovation ihrer Bühnenästhetik – die obsessiv handbemalten Papp- und Holz- Konstruktionen, die maskierten Darsteller*innen, die akustischen Collagen. Vinge/Müllers Überarbeitung der Institution Theater geht aber über das hinaus, was sich auf der Bühne abspielt. Es geht um das ideologische Leitungswasser selbst.

18.2. Juliane Vogel: Die Volatilität der Szene. Potentiale einer beweglichen Form.

Die Szene ist eine volatile und bewegliche Form. Ihrer ursprünglichen Bedeutung „Zelt“ nach bezeichnet sie eine provisorische Struktur, die überall errichtet und wieder abgebaut werden kann. Der Vortrag verfolgt dieses Merkmal des Provisorischen in historischer Perspektive, im Kontext des Dramas und darüber hinaus. Er untersucht das Potential einer Form, die auch dann, wenn sie wie im Drama integriert und auf dem Theater sesshaft wird, weiterhin in Bewegung ist. Szenen versetzen das Gefüge in Unruhe, in das sie eingebunden sind. Der Vortrag will in einem historischen Teil den Versuchen nachgehen, die sich darauf ausrichteten, die Szene zu disziplinieren, zugleich aber das politische Potential einer Form aufzeigen, die überall dort, wo sie hinkommt, neue Erscheinungsräume eröffnet.

Theaterwissenschaft am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft

in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm, dem Festival „Frankfurter Positionen 2021“, der BHF BANK Stiftung, der Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst und Kulturpflege und der Hessischen Theaterakademie

Verantwortlich: Nikolaus Müller-Schöll / Julia Schade

Jour Fixe

Der „Jour fixe“ lädt die Studierenden der Hessischen Theaterakademie ein, auf der Probebühne des Instituts für TFM mit Gästen aus Theater und Kulturpolitik in informellem Rahmen über ihre Arbeit zu diskutieren. In den vergangenen Jahren mit: Amelie Deuflhard, Martine Dennewald, Tim Etchells, Sigrid Gareis, Heiner Goebbels, Kirsten Haß, Carl Hegemann, Stefan Hilterhaus, Susanne Kennedy, Burkhard Kosminski, Elisa Liepsch und Julian Warner, Matthias Lilienthal, Jan Linders, Stefanie Lorey, Florian Malzacher, Bettina Masuch, Barbara Mundel, Produktionsbüro „Ehrliche Arbeit“, Milo Rau, She She Pop, Carena Schlewitt und André Schallenberg Julia Stoschek, Tom Stromberg, Hasko Weber und vielen anderen. In unregelmäßigen Abständen mittwochs um 19 Uhr (c.t). Le Studio. Probebühne der Theaterwissenschaft, Jügelhaus, Gebäudeteil D, Raum 108, 1. Stock, Campus Bockenheim.

Szenische Projekte

Die Frankfurter Theaterwissenschaft legt großen Wert auf die Integration künstlerisch-praktischer Erfahrungen in das Studium – unabhängig davon, ob die Studierenden später einen Beruf auf oder hinter der Bühne anstreben. Regelmäßig arbeiten professionelle Künstler*innen mit den Studierenden im Rahmen von szenischen Projekten, Theorie-Praxis-Projekten Workshops und Blockseminaren auf der Probebühne des Instituts. In den vergangenen Jahren mit: Robin Arthur, Sebastian Blasius, Laurent Chétouane, Prof. Dr. Katrin Deufert und Thomas Plischke, Tim Etschells, Manuela Infante, Jason Jacobs, Rupert Jaud, John Jesurun, Katharina Kellermann, Chris Kondek Prof. Stefanie Lorey, Lina Majdalanie, Uwe Mengel, Gerardo Naumann, Boris Nikitin, Prof. Mike Pearson, Katharina Pelosi, redpark, Felix Rothenhäusler, Johannes Schmit, Jan-Philipp Stange, Katharina Stephan, Tore Vagn Lid, Camila Vetters, Rosa Wernecke, Ivna Zić.

Forschungs-Kolloquium und Masterclass

Die Theaterwissenschaft legt großen Wert auf die Verknüpfung von Lehre und Forschung. Wir sind der forschenden Lehre verpflichtet. Deshalb findet in jedem Semester ein Forschungskolloquium für Masterstudierende statt, in dem aktuelle Forschungsfragen sowie Abschlussprojekte der Studierenden diskutiert werden. Darüber hinaus halten wir regelmäßig Master Classes ab. Sie erlauben es den Studierenden, eigene wissenschaftliche Vorträge im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung mit internationalen Gästen aus Wissenschaft und Theater zu präsentieren und zu diskutieren. Zuletzt fanden Veranstaltungen zu den folgenden Themen statt: „Sound Knowledge: Exploring the Dramaturgies, Philosophies, and Politics of Listening“ (Winter 19/20), „Implosion des Stadttheaters? Geschichte, Analyse, Perspektiven“ (Winter 18/19), „Theatre and Identity Politics“ (Winter 17/18), „Theatre of the A-Human“ (Winter 15/16), Kafka and Theatre“ (Winter 13/14). Beiträge und Ergebnisse sind dokumentiert auf:

https://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/theater/

http://www.theater-wissenschaft.de/category/thewis/ausgabe-2017-kafka-und-theater/

Coaching

Die Studierenden werden im Rahmen ihres Studiums der Dramaturgie / CDPR oft von Coaches aus der dramaturgischen Praxis bei ihren künstlerisch-praktischen Projekten begleitet. Hierfür arbeiten wir mit Praktikern aus den hessischen Stadt- und Staatstheatern sowie aus der freien Szene zusammen. In den vergangenen Semestern arbeiteten mit den Studierenden u.a.: Björn Auftrag, Laurent Chétouane, Marcus Dross, Martin Hammer und Maria Magdalena Ludewig (T), Katja Leclerc, Kris Merken, Malin Nagel und Jonas Zipf.


Friedrich Hölderlin Gastvorträge in Allgemeiner und Vergleichender Theater­wissenschaft

Im Rahmen dieser Vortragsreihe wird die Theaterwissenschaft in einem größeren Kontext jener philosophischen, politischen und sprachphilosophischen Fragen situiert werden, die immer mit im Spiel sind, wenn man über Theater nachdenkt, die aber häufig ausgeblendet werden. Neben den Fragen, die das Theater im engeren Sinne betreffen, geht es in den Beiträgen der eingeladenen Gäste auch um solche Fragen, die Theatertheorie und Theorie, auf die Theater sich bezieht, betreffen. Es geht also um Theater in allen vier Bedeutungen, die diesem Wort entsprechend des Leipziger Theatralitätsdiskurses zukommen: Um Theater, Anti-Theater, Theater im weiteren Sinne und Nicht-Theater. „Theater” wird dabei im sehr erweiterten Sinne begriffen, den neuere Arbeiten auf dem Gebiet der Theaterwissenschaft nahelegen: Es soll ein Begriff von Theaterwissenschaft etabliert werden, der diese aus dem Kontext ihrer nationalphilologischen Begründung im Deutschland der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts ebenso herauslöst wie aus jener Begrenzung auf die „Aufführung”, welche ihr eigentlicher Begründer im deutschsprachigen Raum, Max Hermann, um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert vorgeschlagen hatte. Denn Theater ist nicht nur das flüchtige Produkt eines Abends, sondern auch Prozess, Interaktion, Handlung und vor allem kritische Praxis.
Mit der Wahl Hölderlins als Namenspatron der Reihe soll dabei daran erinnert werden, dass der zeitweilig in Frankfurt lebende Hölderlin nicht nur ein großer Dichter, sondern auch ein großer Theatertheoretiker und dramaturgischer Denker war, der mit seinen Sophokles-Übersetzungen, Stückfragmenten und Anmerkungen zum „Ödipus” und vor allem zur „Antigone” das Denken des modernen Theaters eröffnet hat, insofern er in diesem Zusammenhang über die unhintergehbare Voraussetzung der „Mittelbarkeit” nachgedacht hat.
Aufzeichnungen der vergangenen Vorträge: https://blog.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/theater/blog/category/veranstaltungen-des-instituts/hoelderlin-vortrag/

Digitales Archiv

Das Projekt „Digitale Theaterforschung“ ist ein Pionierprojekt des Instituts auf dem Gebiet der digitalen Dokumentation, der digitalen Vermittlung und des Experiments von und mit Theater. 

Unter „Digitale Theaterforschung“ finden Sie Dokumentationen von Tagungen, Vorträgen, Symposien und anderen Veranstaltungen. Unter „Digitale Bühne“ finden Sie Videoexperimente, Tutorials und Dokumentationen studentischer Projekte. Im „Labor Video⇄Bühne“ fanden und finden immer wieder diverse Workshops mit Spezialisten aus der Schnittstelle von Video und Theater statt.